Einträge getagged als:

zeitungen

Die Washington Post auf dem iPad: soooo 2007

von Huck Haas am 13. Dezember 2010 · 1 Kommentar

Was würden Bob Woodward und Carl Bernstein zur iPad-App der Washington Post sagen? Ich glaube, sie wären nicht fröhlich. Aber das weiß ich natürlich nicht. Bernstein ist Autor einer Biografie über Papst Johannes Paul II, da bin ich vorsichtig mit wilden Annahmen.

Nun ertrug ich eine knappe viertel Stunde folgendes Video:

Da dachte ich zum einen, Mann, was hat der Typ für einen fürchterlichen Dialekt am Leibe und zum anderen dachte ich, wenn er so dick aufträgt, was man ob des kaugummiesken Slangs nicht sofort merkt, dann muss doch diese App mal endlich so richtig der Burner sein. Die Washington Post hat doch sicher einen hohen Anspruch an alles. Auch an die Entwicklung einer Applikation zum Lesen ihrer Postille auf dem iPad.

Wahrscheinlich ist das auch so. Die Leute da bei der Washington Post denken, sie hätten was total tolles auf die Beine gestellt, weil sie sich womöglich gar nicht auskennen, weil ihnen der Kaugummimann irgendwas erzählt hat. Wahrscheinlich verstehen die Leute einfach so etwas wie die App der Washington Post als total voll neu und irgendwie auch verrückt, dass es sowas überhaupt gibt. Aber, hey Leute, das ist es aber doch gar nicht. Es ist eine okaye Darstellung des Magazins, aber mehr auch nicht. Was faselt der Typ also da von was-weiß-ich für einer Sensation. Da geht noch mehr.

Als erstes muss ich mich registrieren, wenn ich einen Artikel lesen will. Okay, das kann man machen, aber dann kommt irgendwas wie eine Zeitung auf einem Display abgebildet und wenn man auf die einzelnen Artikel tippt, dann kann man sie lesen. Toll. Irgendwas habe ich vielleicht nicht verstanden, aber ist das so neu?

Und dann begleitet mich auf jeder Seite die Werbung eines amerikanischen Ölkonzerns und wenn ich auf einen Artikel gehe, dann habe ich die gleiche Werbung sogar zweimal auf dem Display. Da würde ich mir wünschen, dass die Werbung, wenn sie schon sein muss (und ich sehe ja ein, dass Werbung irgendwie zur Finanzierung des Produktes… usw. sein muss), dass sie dann aber gezielter platziert wird. Wenn ich also hier im alten Europa sitze und die Washington Post lese, will ich Werbung für Computer, Bücher, Erfrischungsgetränke und Nudelsoßen sehen, aber keine Werbung für – ausgerechnet – us-amerikanische Ölkonzerne.

Und dann will ich als der Sehschärfe nicht mehr so mächtiger Mensch gerne mit zwei Fingern den Text und die Bildern auf Vordermann bringen und nicht erst irgendwo hinklicken und dann so wie früher auf “+” oder “-” drücken.

Das ist doch sooo 2007.

Und das alles wäre ja gar nicht so schlimm, wenn der Mann mit dem Kaugummislang nicht so große Töne gespuckt hätte. Ja Herrschaftszeiten, kann man denn nicht mal irgendwann mal eine richtig superne duperne Magazin-App herstellen? Oder kenn ich die nur nicht? Dann schreibt mir doch mal Eure Tipps auf. Ich werde beherzt nachblättern.

BILD.de ist für iPad-Nutzer im Standardbrowser nicht mehr erreichbar. Stattdessen wird man auf eine Seite geleitet, auf der die Kauf-App des Blattes vorgestellt wird. Die Inhalte von BILD gibt es nur noch auf dieser App oder mit einem alternativen Browser.

Gut, wer will schon BILD lesen, aber das Vorgehen des größten deutschen Boulevardblatttes, das online zu den reichweitenstärksten Nachrichtenangeboten im deutschen Web gehört, hat in gewissem Sinne Vorbildcharakter. Tatsache ist: wer seit heute mit dem Safari auf iPad www.bild.de aufruft, der kann die Inhalte, die sonstigen Nutzern im Web angeboten werden, nicht mehr aufrufen. Stattdessen wird man weitergeleitet auf die Adresse bildgehtapp.bild.de.

Dort sieht man eine vollflächige Anzeige für die App von BILD, wie rechts abgebildet.

Die App selbst ist kostenpflichtig. Für 0,79 Euro kann man die Ausgaben für eine Woche nutzen. Wenn man die App startet, hat man die Wahl zwischen einer App- und einer PDF-Ausgabe. Ich habe mich für die App-Version entschieden und kann daher aktuell nichts über die PDF-Ausgabe sagen, weil man die nachträglich nicht mehr auf den Schirm bekommt.

Die App versucht mehr zu sein, als die Print- oder die Webausgabe und präsentiert sich als spezielle iPad-Version. Das bedeutet, dass die einzelnen Artikel als Anreißer auf Übersichtsseiten präsentiert werden. Davon gibt es insgesamt 12. Wenn man auf eine Teaserfläche tappt, erhält man die Vollartikel, angereicht mit Fotomaterial oder Videos zu diesem Thema. Ist teilweise technisch noch etwas klapprig, vor allem, weil die Inhalte zumeist nachgeladen werden müssen. Das klappt nicht in allen Ecken. Wer übrigens glaubt, er habe jetzt ein werbefreies Angebot vor sich: Fehlanzeige. Es sind etliche Werbeflächen enthalten, sogar ganze Vollseiten, an denen man nicht vorbeikommt.

Ich kann es ncht genau sagen, weil ich auf die ausgiebige Recherche zum unmittelbaren Vergleich verzichten möchte, aber es kommt mir vor, als handele es sich bei der iPad-App-Version um eine reichlich abgespeckte: Mir kommt das ziemlich mager vor, was die da in der App anbieten. Vor allem fehlen die lokalen Seiten vollständig.

Kosten werden die App-Ausgaben einzeln 0,79 Euro. Es gibt außerdem Abo-Modelle von einem Monats-Abo für 12,99 Euro bis hin zu einem Jahres-Abo für 129,99 Euro.

Wer BILD weiter im Web lesen will, muss auf einen anderen Browser umsteigen und darin ein paar Einstellungen verändern. Wie das geht, kann man hier bei iPhone-Blog lesen. Nachtrag: Wie mir auf Twitter mittgeteilt wurde, soll das inzwischen nicht mehr möglich sein.

Zeitungen: Die Frankfurter Rundschau-App für das iPad

von Kacper Potega am 25. September 2010 · 5 Kommentare

So lange die Gerüchte um eine Apple-eigene Möglichkeit zur Einstellung von Zeitungen und Zeitungsausgaben nur Gerüchte sind, müssen sich die Medienhäuser mit eigenen Apps aushelfen. Nach der Zeit, die vor kurzem eine ganz-okaye App zur Ansicht der eigenen Zeitungen gelauncht hat, bringt nun die Frankfurter Rundschau einen eigenen Kiosk in den App Store.

Die Frankfurter Rundschau selbst machte in der näheren Vergangenheit vor allem mit Luquiditätsproblemen und -gerüchten Schlagzeilen. Gleichzeitig zeigte sie sich beispielsweise mit dem veränderten Format (noch vor der Welt Kompakt) innovativ. Aus diesem Grund lohnt es sich die Schritte der FR zu beobachten.

Die App an sich ist zunächst umsonst, eine “Schnupper-App” (die Ausgabe vom 15.09.2010) gibt es umsonst. Alle anderen Ausgaben kosten 0,79€, was unter dem Preis der Printausgabe liegt. Vor dem Kaufen bekommt man zu jeder Ausgabe eine kleine Voransicht mit den wichtigsten Themen. Nach dem Kaufen geht es direkt hinein in die Zeitung.

Die Ausgaben sind keine einfachen PDFs, in denen man herumzoomen muss, sondern sind speziell für das iPad aufbereitet. Der Text auf der Inhaltsseite ist klickbar und verlinkt quer auf den jweiligen Artikel, in manchen Rahmen kann man scrollen, es ist auch hier und da mal eine Bildgalerie oder ein Video integriert. Gleichzeitig liegt der Fokus deutlich auf den Texten.

Als Porträtmodus-Liebhaber habe ich es erst nicht bemerkt, aber: Die Artikel haben zwei Ansichtsvarianten. Die eine – im Hochformat – zeigt oben die Headline, Anleser und ein Bild zum Artikel. Weiter runter wird dann der reine Text des Artikels ausgegeben. So kann man runterwischen zum weiterlesen oder nach links oder rechts wischen, um zum nächsten oder letzten Artikel zu gelangen. Liest man einen Artikel kann man per Zoomen mit Zwei fingern im Porträtmodus den Text vergrößern. Das ist eine sehr angenehme Funktion, die Texte sind nämlich nicht gerade optimal gestaltet. Standardmäßig ist, für mich, der Text immer deutlich zu klein. Beim hochskalieren bleibt der Zeilenabstand allerdings sehr sehr eng. Typografisch lässt sich hier noch eingies machen.

Im Querformat (Landscape-Mode) besteht der Artikel aus einzelnen Seiten, die sich durch auf- und abwärts Wischen umblättern lassen. Die Seiten sind starr gestaltet, ethalten dafür auch Infografiken und Bilder. Hier ist der Text typografisch angenehmer aufbereitet, allerdings auch nicht optimal. Ein oder zwei Punkt mehr, hätten der Schriftgröße gut getan.

Als Erstbenutzer war es für mich ärgerlich erst spät zu entdecken, dass die App zwei verschiedene Modi besitzt. Schlimmer ist aber, dass man relativ lange braucht, um zu begreifen, dass beim Tappen auf den unteren Bildschirmrand die Navigationsleiste erscheint, mit Hilfe derer man zurück zur Bibliothek gelangt oder sehr einfach durch die Zeitungsinhalte scrollen kann. Ein offensichtlicherer Buton dafür würde Einsteigern einen ersten Frustrationsmoment ersparen.

Ein tolles Feature ist der “Newsticker”, der die aktuellsten Meldungen aus unterschiedlichen Kategorien enthält. So hat man die Zeitung von gestern und die News von heute. Auch hier ist die Schrift aber zu klein und im Querformat nutzt das Layout nicht die Breite des Gerätes – die eine schönere Typografie ermöglicht hätte.

Insgesamt ist es eine sehr angenehme Art die Fr zu lesen. Ich frage mich allerdings wo der Vorteil gegenüber einem gut gestalteten Onlineangebot, das kostenlos zugänglich ist, liegt. Es ist eine Grundsatzfrage, aber ich weiß: Ich bleibe bei Zeit Online. Die FR-App hat Spaß gemacht. Meine Informationen werde ich aber weiterhin aus dem Web ziehen.

WELT und brand eins auf iPad verfügbar

von Dirk Baranek am 26. Mai 2010 · 5 Kommentare

Auch deutsche Verlage sind kurz vor dem Verkaufsstart des iPad hierzulande mit digitalen Versionen ihre normalerweise im Printformat veröffentlichten Publikationen an den Start gegangen.

WELT im iKiosk
Der Springerverlag bietet seine App iKiosk, mit der man die drei Ausgaben der WELT (normal, kompakt, Sonntag) lesen kann, in den nächsten vier Wochen noch gratis an. Jede der Ausgaben kann bereits am Vorabend um 23 Uhr gelesen werden. Besondere, von den Printausgaben abweichende Inhalte werden aktuell noch nicht angekündigt. Auch der endgültige Preis für das Monats-Abo ab Juni ist noch unbekannt.
Hier bei iTunes laden.

brand eins
Das Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin brand eins bietet seine App ebenfalls kostenlos an, allerdings muss man dann zahlen, um die Inhalte auf den Schirm zu bekommen. Der Preis ist mit 6,99 etwa zehn Prozent günstiger als die Printausgabe (7,60 Euro). Auch bei brand eins sind laut Beschreibung keine besonderen Inhalte angekündigt.
Hier bei iTunes laden.

Fazit
Immerhin. Wenigstens sind die Printausgaben dieser beiden Verlage jetzt auf dem iPad verfügbar. Man muss kein Papier mehr rumschleppen. Auch scheint ich man sich von PDF-ähnlichen Versionen verabschiedet zu haben und hat in Punkto Usability den iPad-Style angenommen. das Alles ist sicherlich für die Unternehmen erstmal ein Testballon. Wenn es sich durchsetzt, also die Verkaufszahlen sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen, könnte man sich entschließen, die gesamte Medienvielfalt für das iPad anzubieten. Erst dann allerdings wird sich der Sog erst richtig entwickeln …

Interessant ist außerdem, dass beide Verlage den Weg über die App gehen und die Ausgaben nicht im iBookstore anbieten. Diese Vorgehensweise scheint sich durchzusetzen.