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Wenn ich höre, dass irgendein größeres Magazin seine Portierung auf das iPad genießen darf, muss ich es natürlich sofort auf mein iPad laden. Daher habe ich die Cicero-App auf mein iPad geholt, die mir kostenlose Ausgaben bis Januar 2011, weil gesponsort von BMW, verspricht.

So tätigte ich den ersten InApp-Umsonst-Kauf der Ausgabe Dezember 2010. Um den Download zu starten muss man BMW und Cicero aber erstmal seine Seele in Form von persönlichen Daten schenken. Weil ich als jemand, der in der Design- und Werbeindustrier tätig ist, so etwas eh lange nicht mehr besitze, war das selbstverständlich kein Problem. Der Download begann und dauerte trotz ordentlicher Internetverbindung einige lange lange Minuten. Das kennt man ja schon so. Ich konnte mir auch ganz gut vorstellen, was mich erwartete.

Cicero auf dem iPad

Meine Vorstellung hat sich dann leider noch schlimmer bewahrheitet. Ich hatte, im Prinzip, ein PDF heruntergeladen. Ja, natürlich, es ist kostenlos, aber unsere interne Regel lautet: Alles, was wir rausgeben, und sei es kostenlos, unnötig, egal was, muss geil sein. Das sollte sich Cicero auch zu Herzen nehmen.

Aber wollen wir sachlicher werden. Die App ist auf zwei Ebenen schwach: Design und Technik.

Cicero auf dem iPad

Weil es ein PDF der Printausgabe mit einigen integrierten Videos ist, sind auch die Größenverhältnisse gleich geblieben. Im Porträtmodus geht das noch gerade so mit der Lesbarkeit ohne reinzoomen zu müssen. Die Doppelseitenansicht im Querformat kann aber einfach nicht ernst gemeint sein. Die Schriftgröße ist durchgehend zu klein, die genutzten Fonts für den Bildschirm nicht geeignet. Das lustigste: Sogar der Coupon zum Ausschneiden für das Miniabo ist dringeblieben, zum Anklicken.

Cicero auf dem iPad

Als ob das nicht genug wäre, gibt es technisch noch mehr zu bemängeln. Allem voran die Geschwindigkeit – beim ersten Durchblättern setzte bei jeder Seite erst einmal das Buffering ein. Bei YouPorn ist das zu verzeihen, aber doch nicht beim Magazin für Politische Kultur!

Insgesamt bleibt also nur anzuraten: Kauft euch, wenn ihr es denn inhaltlich interessant findet, das Magazin lieber auf totem Baum. Zumal die Printausgabe genauso teuer ist, wie Cicero andenkt die einzelnen Ausgaben im AppStore anzubieten: 8 Euro.

ZEIT Online jetzt optimiert für iPad

von Dirk Baranek am 18. November 2010 · 5 Kommentare

Es gibt Apps von Nachrichtenmagazinen, es gibt deren Websites, die man mit Safari ansteuert, und es gibt jetzt eine dritte Kategorie: Websites, die für iPad optimiert sind.

Diese erreicht man ganz normal mit Safari oder einem anderen Browser auf dem iPad, allerdings wird ja, wenn man die Seite aufruft, die Information über das benutzte Betriebssystem an den Seitenbetreiber übermittelt. Als iPad-Nutzer wird man daher automatisch auf die für das Gerät optimierte Seite umgeleitet.

Was zeichnet jetzt solche Seiten aus? Beispielhaft zeigt das die neue iPad-Version der ZEIT, die seit gestern im Netz zu erreichen ist. Vor allem wenn man diese mit der normalen Webversion vergleicht.

Die iPad-Version läuft schmaler, der rechte Rand wurde weggelassen. Die Artikelteaser wurden zudem nebeneinander in zwei und drei Spalten angeordnet und nicht spaltenbreit untereinander. Auch im Vollartikel wurde auf die rechte Spalte verzichtet. Die Schrift ist schön groß und kann sehr gut gelesen werden. Und selbstverständlich gibt es bei der iPad-Version kein Flash – die Videos werden in HTML5 ausgeliefert. Eine kleine Macke ist mir aufgefallen: es gibt im Layout keinen Unterschied zwischen Hoch- und Queransicht. Ist aber nicht so schlimm.

Insgesamt ein sehr gelungener Ansatz, der mir sehr gut gefällt. Fazit: eine ZEIT-iPad-App braucht es meines Erachtens nun nicht mehr.

Neu: Washington Post als iPad-App

von Dirk Baranek am 10. November 2010 · 3 Kommentare

Hihi, ganz nett gemacht, dieses Werbevideo der legendären Tageszeitung Washington Post für ihre neue iPad-App. Sicher, Techcrunch kann sich des bissigen Kommentars nicht enthalten, es handele sich um die “Most Geriatric iPad App” aller Zeiten, also sozusagen die mit der größten Masse an rieselndem Kalk. Kann sein, egal. Der Spot ist ganz witzig gemacht mit dieser typischen Art der US-Amerikaner sich selber nicht ganz so ernst zu nehmen.

Die App selbst ist im Moment noch gratis (iTunes-Link) und enthält die komplette Print-Ausgabe. Ab März 2011 wird es dann kostenpflichtig sein, es sei denn die Post findet einen anderen Sponsor – im Moment Exxon.

The New Yorker als iPad-App erschienen

von Dirk Baranek am 27. September 2010 · 1 Kommentar

The New Yorker ist nicht irgendeine Zeitung, sondern das Meinungsblatt des liberalen Bürgertums der us-amerikanischen Ostküste. Seit 1925 veröffentlichen hier viele originelle Autoren in Text und (gerne gezeichnetem) Bild ihre aussagekräftigen Artikel. Ein Bollwerk des essayistischen Journalismus.

Mit der heute erschienen iPad-App (iTunes-Link), die es zunächst kostenlos gibt, kann man sich dann die jeweilige, monatlich erscheinende Ausgabe kaufen. Kostet 3,99 Euro. Wer sich dafür entscheidet, lädt infolgedessen mit dem iPad 173 MB runter. Empfehlenswert also, sich in einem W-LAN-Netzwerk zu befinden.

Das Cover der Oktoberausgabe ist von David Hockney, bekannter britischer Maler und bekennender iPad-Nutzer, der das auf Brushes gezeichnet hat, wie man in einem Video sehen kann. Überhaupt: es gibt viele Videos zu sehen, unter anderem ein seltenes Stück mit John Cage, siehe Screenshot.

Titelstory ist “The Unsocial Network” mit einem Text von Malcalm Gladwell, der über Twitter herzieht. Es ist jedenfalls die komplette Ausgabe, gehalten im inzwischen fast standardisiertem iPad-Printmagazin-Design. So ganz trauten sie dem Braten allerdings nicht und haben extra ein Stück über das Infodesgin gemacht, hier im Screenshot eine Erläuterung der Info-Elemente.

Insgesamt nichts besonderes, aber das sollte man von diesem Blatt eh nicht erwarten. Es ist bekannt für sein editorisch konservatives Auftreten. Ein kleiner Spleen, den man sich leistet. Hier kommt es allein auf die Inhalte an, die allerdings gut lesbar und interessant aufbereitet sind. Ein Jahresabo der Printausgabe kostet übrigens bei Amazon 150 Euro.

Zensur in Zeiten des iPads

von Dirk Baranek am 28. Mai 2010 · 27 Kommentare

Apple reguliert die Inhalte, die bei iTunes angeboten werden. Der Bereich Musik ist meines Wissens noch nie so recht davon betroffen gewesen, aber bei den Apps gab es zuletzt erhebliche Eingriffe. Inhalte mit leicht anzüglichem Bildmaterial wurden rausgeschmissen. Es ging dabei nicht um Pornografie, davon war sowieso noch nie etwas zu sehen, sondern um relativ harmlose Bikini-Fotos.

Jetzt aber geht es weiter. Inzwischen sind ja auch deutsche Verlage mit ihren Produkten auf Grund der neuen Möglichkeiten des iPads dort vertreten. Unter anderem der Springer-Verlag mit seiner App iKiosk. Mit der ist es möglich, aktuelle Print-Ausgaben von WELT, Hamburger Abendblatt und auch BILD zu laden.

Besonders das Revolverblatt BILD ist dafür bekannt, blanke Busen zu zeigen, gerne auch auf der Titelseite. Dass diese Darstellungen mit weißen Streifen überarbeitet werden, um nicht gegen die Regeln von Apple zu verstoßen, kann nicht überraschen. Allerdings geht die (Selbst?-)Zensur wesentlich weiter, wie man heute sehen konnte. Nicht nur Sex und Erotik scheint im Visier der Apple-Kontrolleure zu stehen, sondern auch Darstellungen, die in der US-Medienwelt als graphic violence bekannt sind.

In zwei BILD-Artikeln befinden sich Fotos, die durch schwarze Flächen abgedeckt werden. Zum einen geht es um Bilder aus einer TV-Dokumentation über brutale Aktionen in Tschechien, die sich im Mai 1945 offenbar gegen Sudetendeutsche richteten. Hinrichtungsszenen, Tote – alles abgedeckt. Der zweite Artikel berichtet über den “Plastinator” Gunter von Hagen, der Leichenteile präpariert und ausstellt. Auch hier wurden Darstellungen abgedeckt.

Sicher, BILD beutet solche Bilder gnadenlos sensationalistisch aus. Es stellt sich aber die Frage, wie weit das alles noch gehen wird. Werden wir bald auch keine Bücher im iBookstore finden, in denen Fotos von Leichenbergen in Konzentrationslagern den Völkermord dokumentieren? Wird das berühmte Exekutionsfoto aus dem Vietnamkrieg nicht mehr in der Applewelt zu sehen sein? Werden zuletzt die Schreckensbilder von Goya aus dem spanischen Krieg vor 200 Jahren der Zensur zum Opfer fallen?

Hier wird sich ein Druck in der öffentlichen Meinung aufbauen müssen, um solchen Entwicklungen Einhalt zu gebieten.