Der Auftrag lautete: Schau Dir doch mal das BMW-Magazin an und vergleiche das mit dem von Audi.
Okay, da dachte ich, vergleich ich das doch am besten auch nochmal mit dem von Mercedes-Benz (oder wie die jetzt offiziell heißen) und weil ich einen Mitsubishi Space Wagon fahre, schaue ich mir doch noch was von Mitsubishi an und weil ja Fiat so innovativ ist, auch noch das, falls es was gibt und weil Renault behauptet, sie seien der Createur d’Automobile, wollte ich mir da auch noch was anschauen, doch ich fand nichts.
Im Moment sitze ich allerdings da und starre den Ladebalken des Mercedes-Magazins an. Das kann ja heiter werden. Vielleicht ist es ja auch _die_ Hypersuperdupersache. Ich bin gespannt.
Grundsätzlich gehöre ich jetzt nicht zu den Menschen, die eine große Erwartung an solche Magazine haben. Ich erwarte Werbung und ein bißchen Bla-Bla warum das jeweilige Fahrzeug so hypersuperduper sein soll. Das kann ich dann gar nicht glauben, lasse mich aber gegebenenfalls von guten Bildern und ein bißchen Action blenden. Ich konsumiere ja auch, ich will mich da ja nicht verweigern, und bietet man mir, wie im Falle des BMW-Magazins, so schöne Blumenarrangements darg, werde ich ganz lau im Kopf. Die Navigaton des Magazines ist eher bieder und langweilig. Womöglich hatte man Angst, wovor viele Angst haben: dass es der Kunde nicht versteht. Vielleicht wollte man auch nichts in Innovation investieren, weil man denkt, dass es schon eine Top-Innovation ist, wenn man ein Broschüre überhaupt auf dem iPad bringt. Oder man wusste schlicht und ergreifend gar nicht, dass da noch was eleganteres gibt. Was folgt sind gephotoshopte Bilder nah an der Surealität vorbei und nette Menschen in Welten, wie sie womöglich die Zukunft für uns bereit hält, wenn man sehr, sehr optimistisch in die Welt blickt. Solange man jedoch Autos herstellt, die erstens aussehen wie die Sturmtruppen aus Star Wars und zweites sicher nicht an der mittleren bis unteren Benzin-Verbrauchsmesslatte angesiedelt sind, scheint man der Innovation ohnehin keine sichere Heimstatt gewähren wollen.
Audi bietet da den Berliner Architekten Jürgen Mayer H. und Uli Hoeneß im Interview auf und man erfährt, dass Bill Kaulitz auch einen Audi fährt. Hui, das ist aber auch wirklich eine Knaller-Info. Die Tokio-Hotel-Zielgruppe wird sicher gleich zum Audi-Händler eilen. Darüber hinaus wirkt die Broschüre von Audi ein ganz klein wenig mehr ausgearbeitet und im Ansatz gar nicht so uninteressant, wenn man sich für die klischeehaftesten Männerthemen interessiert und wer tut das nicht?! Denn wenn man sich durch die 70 Prozent Audi-Content geklickt und geschoben habt, kann man auch etwas über Musik, Design und Möbel lesen. Die Navigation ist ganz okay gemacht und nutzt diverse zeitgemäße Möglichkeiten der Führung durchs Magazin.
Nachdem ich mehrere Zwischenmahlzeiten und etliche Liter Wasser zu mir nehmen musste, um die Zeit zu überbrücken, die es brauchte das Mercedes-Magazin runterzuladen und zu installieren, kann ich mir schön gemachte Filmchen zum Thema Mercedes und wie wunderbar alles ist anschauen oder ein Modell aus dem Hause in 3D, welches man drehen und von allen Seiten betrachten kann. Sowas ist zwar nicht das Ultimo an Neuerfindung der Bilddarstellung auf einem Computer, aber immerhin, sowas kann man sich mal anschauen und es ist eben der Unterschied zum bedruckten Papier. Desweiteren zeigt das “Magazin” zu Beginn jeden Kapitels, welche Mulitmedia-Möglichkeiten dieses bietet, dann kann man sich emotional schonmal drauf einstellen. Die Darstellungen und das Layout sind dafür sehr konservativ, aber das passt ja. Die meisten Artikel handeln von der Superhaftigkeit der Fahrzeugmodelle. Wie Audi gehts irgendwann auch mal ums Segeln. Vielleicht interessiert das die Zielgruppe.
Von Fiat gibt es kein Magazin, dafür eine App die vom neuen Fiat 500 erzählen möchte. Man wird frech mit Kirschen begrüßt und sogleich fährt auch schon zappelnd und wirbelnd der kleine, aber zugegeben sehr stylische Fiat ins Bild. Anschließend wird die Menüführung anhand eines Motorblocks gezeigt. Mir gefällt das. Es zeigt ein bißchen was von der anvisierten Zielgruppe und dass man dieser mal ein kleines Schmunzeln sowie gewissen Forscherdrang abverlangen kann. Außerdem zeigt es, dass das Fahrzeug sympathisch sein soll, was es ja auch irgendwie ist. Hinter dem Motorblock verbirgt sich allerhand Schabernack und… dann stürzte bei mir die App erstmal ab. Beim Restart ist aus den Kirschen Ahornlaub geworden. Auch nicht verkehrt. Wenn man auf die dort angebrachte Erdbeere tippt, wird der Motor auseinander gelegt. Darauf muss man erstmal kommen. Mir gefällt sowas, weil ich der Meinung bin, dass nicht alles immer erklärt werden und logisch sein muss. Alles Gerade lügt. Man kann sich durch die “History of INNOVATION” sliden und irgenwann spielt der Motorblock auf der Gitarre das Motogeräusch des Fiat 500. Putzig, wie das Auto selbst.
Von Mitsubishi habe ich mir eine “Broschüre” des Modells ASX angeschaut und da es nach wenigen Sekunden abstürzte, hat mich das nicht mehr interessiert. Bis auf ein paar öde Reinfahrsituationen bot die App nur das, was man in einer Printbroschüre sehen kann und diese würde bei mir ungeöffnet in den Mülleimer wandern.
Aus meiner Sicht haben die Macher solcher Automagazine nicht verstanden, wie man man eine Botschaft rüberbringt. Ich denke, dass der mündige Leser solcher Botschaften die Werbeabsicht dahinter immer herauslesen wird und besonders geschickt stellen sich die Werber da ja nicht an. Grundsätzlich wären solche, vielleicht etwas abgespeckten Magazine ein interessanter Teil eines freien iPad-Magazins. Sozusagen als Einleger. Wenn man dann die Informationen dann noch so aufbereitet, dass es der Präsentation auf einem iPad oder einem ähnlichen Gerät würdig und angemessen ist, dann kann man der Zielgruppe, besonders bei technischen Produkten wie bei Kraftfahrzeugen, ganz sicher spannende Effekte und interessante Darstellungen von Informationen anbieten. Oder aber man konzipiert “richtige” Magazine, die sich mit den Thematiken der Zielgruppe auseinandersetzen und mixt dort unauffällig seine Botschaften. So könnte man mehr in die Tiefe gehen, wenn es um Beschreibungen von Technolgien geht, man könnte den Lifestyle, den das Fahrzeug reprästieren soll, ganzheitlich darstellen. Wenn man etwas Magazin nennt, dann soll sich das auch deutlich von einer fürs iPad nachlässig konzipierten Werbebroschüre unterscheiden. Glaubwürdigkeit führt letztlich auch zu einer Win-Win-Situation.
Die Links zum App-Store
Alle Apps sind gratis…
- BMW: BMW Magazine 2/2010
- Audi: Audi Magazin
- Mercedes: Mercedesmagazin
- Fiat: The500TwinAir
- Mitsubishi: MitsubishiASX




Natürlich, das nehme ich vorweg, haben wir hier jetzt kein Geheimrezept, das die Absätze aller verkauften Apps in unendliche Höhen steigen lässt. Sowas gibt es vermutlich nicht und das ist auch gut so. Denn am Ende gilt immer: Apps verkaufen sich vor allem dann gut, wenn sie nützlich, schön, sinnvoll, eben: gut sind.

