Gastbeitrag: Zu Besuch bei Dassault Systèmes in Paris

von Gilly am 29. Dezember 2012 · 0 Kommentare

ROOM  IMMERSIVE 3D 01 COPYRIGHT DASSAULT SYSTEMES

Daniil schreibt seit 2,5 Jahren leidenschaftlich über Tablets auf seinem Blog TBLT.de. Seine Liebe zum iPad hat er erst diesen Sommer wiederentdeckt und kann es seitdem nicht mehr loslassen.

Es ist 4 Uhr morgens, dunkel und kalt. Draußen weht der Schnee, doch ich muss raus. Es geht nach Paris zu Dassault Systèmes, wo eine Saga über Paris in 3D vorgestellt wird. Ein wissenschaftliches Projekt, das ein detailgetreues 3D-Modell von der französischen Hauptstadt in unterschiedlichen Geschichtsepochen zeigt. Zunächst nur bedingt spannend, doch ich wurde eines besseren belehrt.

Nachdem die Fahrt vom Flughafen zu den Headquarters von Dassault länger als der Flug dauert, wird mir klar, dass Paris deutlich größer als Berlin ist. Der französische Autofahrer ist ein Chaot, die Mopedfahrer potenzielle Selbstmörder, die sich mit 90 auf der Autobahn zwischen den schleichenden Autos vorbeiquetschen. Ein Glück, dass der souveräne Chauffeur eine angenehme Ruhe ausstrahlt und uns sicher zu Dassault Systèmes bringt.

Die Firma war mir bisher unbekannt, mit einem riesigen Gelände mit derzeit knapp 10.000 Mitarbeitern ist sie aber nicht von der kleinen Sorte. Man ist führend in der Herstellung von 3D-Software für die Industrie, so wie sie zum Beispiel bei den Autobauern für die Entwicklung von Autos eingesetzt wird.

Was hat das nun mit Tablets zu tun?

Dassault möchte den Bildungsmarkt penetrieren, indem man 3D-Modellierungen von berühmten Orten erstellt. Wissenschaftler und Programmierer haben sich zusammengesetzt, um Paris dreidimensional darzustellen. Diverse Archive wurden durchforstet, um Paris seit dem ersten Jahrhundert in verschiedenen Epochen detailgetreu zu reproduzieren.

Während der Vorführung erzählt der Direktor des Pariser Carnavalet Museums nebenbei von seinen eigenen Erkenntnissen, die er dabei gesammelt hat. Er sei überrascht gewesen, als er gesehen hat, dass Walt Disney in seinen Animationen das Louvre eins zu eins nachgebaut hatte. Ebenfalls interessant: Der Sturm auf die Bastille muss eher ein „Lüftchen“ gewesen sein, denn das Gebäude war damals verhältnismäßig klein und kaum
beschützt. Klar, es saßen zur damaligen Zeit gerade mal 7 Gefängnisinsassen darin.

Die Vorführung ist beeindruckend, obwohl sie zunächst nicht in 3D geschieht. Gebäude sehen realistisch aus, jedoch fehlen Menschen und etwas Hintergrund-Musik. Gut, dass im Film neben einem Kommentar auch Hintergrundgeräusche eingeblendet werden, damit man sich besser hineinversetzen kann.

Interessant wird der zusätzliche Inhalt. Mit Hilfe einer kostenlosen iPad-App (Android soll im Januar folgen) ist es möglich die Inhalte der Blu-ray weiter zu erkunden und sich mit Wischbewegungen in den wichtigsten Orten digital umschauen. Schön umgesetzt: Mit dem Finger kann man zwischen dem damaligen und heutigen Zustand hin- und herwischen und auch die Bewegungssteuerung wurde sinnvoll umgesetzt.

Wem das nicht reicht, der kann im Internet, ebenfalls kostenlos, selbst in 3D durch Paris navigieren und interessante Orte und Epochen besuchen. Wer zusätzlich das etwa 35€ teure Buch besorgt, wird mit Augmented Reality Effekten belohnt: Man hält das Buch vor die Webcam des Rechners und es wird hologrammartig auf dem Bildschirm dargestellt.Getoppt wird das ganze im 3D-Raum. Mit 7 Projektoren und 7 Computern werden 2 Wände und ein Boden mit Inhalten beleuchtet. Man kann so mit 3D Brille und Controller wie ein Römer durch die Gassen laufen oder sich zur Industrieschau mit dem neuerbauten
Eiffelturm einfinden. Mit Infrarotsensoren werden die Kopfbewegungen registriert: Duckt man sich zum Beispiel, so befindet sich die Kameraeinstellung näher am Boden.

Es ist interessant, dass eine B2B Firma versucht in den B2C Bereich einzudringen. Doch man will sich nicht wie viele Entwickler auf eine Plattform wie iOS konzentrieren. Im Gespräch mit dem Vize-Präsidenten finde ich heraus, dass es wissenschaftlich sinnvoller ist, wenn sich unterschiedliche Plattformen ergänzen. Eine vorbildliche Idee, die ich spannend finde.

Bücher, Browser, Film, Tablet – man sieht, dass sich diese Medien nicht ausschließen müssen und Dassault zeigt, wie die Verflechtung von verschiedenen Systemen beeindruckend funktionieren kann.

Disclosure: Die Reisekosten wurden von Dassault Systèmes übernommen. Vielen Dank dafür an die Pressestelle.