Das iPad und iTunes U an deutschen Schulen – viele Probleme

von Frank Feil am 30. Januar 2012 · 12 Kommentare

Apple schickt sich an, das Bildungssystem zu revolutionieren. iBooks 2 soll dafür sorgen, dass klassische Lehrbücher bald überflüssig werden. Die Zukunft gehört interaktiven iBooks, die von den Verlagen selbst durch Online-Updates auf dem Laufenden gehalten werden. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht künftig nicht mehr die Tafel, sondern iTunes U. Das ist die Theorie. In der Praxis sind wir davon aber noch so weit entfernt, wie einige deutsche Schulen von einem DVD-Player.

Der Financial Times Deutschland zur Folge gibt es hierzulande bereits 30 iPad-Klassen. Unter diesem Begriff kann man sich eine Schulklasse vorstellen, bei der jeder Schüler über ein iPad verfügt und dieses in den Unterricht integriert ist. Für die meisten Schüler ist das eine tolle Vorstellung, für die meisten Lehrer ein Albtraum. In Anbetracht der Tatsache, dass es noch Schulen gibt, die den VHS-Rekorder für State of the Art halten und wo ein Beamer viele Lehrkräfte vor schier unglaubliche Herausforderungen stellt, dürfte das nicht verwundern. Von der Revolution im Bildungssystem sind wir in Deutschland noch Lichtjahre entfernt.

Trotz all der Euphorie rund um die Integration modernster Technik in den Schulunterricht, darf man aber auch nicht übersehen, welche Probleme damit verbunden sind. Ich selbst war vor ein paar Wochen im Rahmen eines Projekts an einer Privatschule für Hochbegabte zu Besuch. Dort gibt es keine Tafeln mehr, stattdessen arbeitet man mit so genannten SMART-Boards, die direkt mit dem Lehrercomputer verbunden sind. Auf die Frage hin, wie es denn um den Einsatz von Tablets im Unterricht bestellt sei, schüttelte der Schulleiter nur den Kopf. Geld ist hier nicht das Problem, denn Anfragen aus der Industrie existieren bereits. Die mangelnde Kompetenz der Lehrer ebenfalls nicht, da diese daran gewöhnt sind, mit Technik umzugehen. Das Problem ist vielmehr, dass Geräte wie das iPad, die über eine direkte Anbindung ans Internet verfügen, für die Schüler noch mehr Ablenkung bedeuten. Jeder, der wie ich während des Abiturs einen Taschenrechner von Texas Instruments besaß, wird dieses Argument nachvollziehen können.

Bis das iPad Einzug in deutsche Klassenzimmer hält, werden noch Jahre vergehen. Schuld daran sind nicht allein konservative, techaverse Lehrer und auch keine undisziplinierten Schüler. Das Hauptproblem ist die Finanzierbarkeit. Vielen Schulen fehlt das Geld, um neue Lehrbücher zu kaufen, da ist an einen Klassensatz iPads inklusive passender Lehrinhalte für mehrere tausend Euro gar nicht zu denken. Schüler können auch nicht nicht dazu verpflichtet werden, sich das iPad zu kaufen, was auch gut so ist, da an ansonsten soziale Ungleichheiten noch mehr fördern würde. Der Staat und die Privatwirtschaft können bestenfalls einzelne Projekte unterstützen.

Es gibt also noch zahlreiche Hürden zu überwinden und das müssen wir auch. Deutschland muss als Bildungsstandort zukunftsfähig bleiben und das gelingt nur, wenn unser Bildungssystem mit gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen Schritt hält und nicht im konservativen Winterschlaf verharrt. Ungeachtet der oben genannten Probleme, besitzen das iPad und iTunes U nämlich ein enormes Potential, das nur offen gelegt werden muss. Darum wird es beim nächste Mal hier gehen.