iPad am Beamer (II): Welche Apps funktionieren und welche nicht.

von Dirk Baranek am 7. November 2010 · 7 Kommentare

Hier also der zweite Teil des Artikels über die Funktionen des iPad am Beamer. Gestern hatte ich über die Hardware berichtet und den mir aktuell zur Verfügung stehenden Beamer von LG, den Portable Projector HX300G (Infos bei LG).

Heute ein paar Infos, was am iPad geht und was nicht. Generell ist anzumerken, dass anders als am Laptop der Beamer nicht automatisch die Inhalte projeziert, die auf der iPad-Oberfläche zu sehen sind. Das geschieht nur innerhalb der Apps und dort auch teilweise nur im gesonderten Präsentationsmodus.

Keynote (7,99 Euro | iTunes-Link)
Diese App von Apple selbst ist natürlich das Paradepferd für die Projektion von Präsentationen. Die App liegt inzwischen in der Version 1.2 vor, womit einige Fehler beseitigt wurden. Sie hat viele Funktionen, vor allem zum Erstellen und Bearbeiten von Präsentationen, aber darauf will ich jetzt gar nicht en detail eingehen. An dieser Stelle geht es um die Wiedergabe von Keynote- und Powerpoint-Dateien, die entweder per Mail oder über über den Austausch via iTunes aufs Gerät kommen.

Die Präsentation wird oben rechts mit Berührung des Pfeilsymbols gestartet. Erst jetzt erhält der Beamer ein Signal und startet die Projektion. Nachteil bei Keynote am Beamer: auf dem iPad selbst sieht man die Folie, die man projeziert, nicht. Das muss Apple dringend ändern. Denn man kann deshalb nicht mit dem Rücken zur Projektionsfläche sitzen oder stehen, was bei Erläuterung der Inhalte an das Publikum wirklich von Nachteil ist. Zudem werden Notizen weiterhin nicht angezeigt.

iPad im Präsentationsmodus.
iPad im Präsentationsmodus mit Keynote. Links am Rand die Übersichtsliste mit den auswählbaren Folien der Präsentation.

Bei jedem neuem Tapp geht es in den Schritten weiter, in die man die Präsentation unterteilt hat, inklusive fast aller Animationen. Einige, die man auf dem Mac mit Keynote anlegen kann, sind nicht möglich, was beim Import gemeldet wird. Wenn man auf dem iPad oben links auf das Listensymbol tippt, sieht man alle Folien in einer Übersicht und kann beliebig auf eine springen. Toll ist die Funktion, des integrierten Laserpointers: iPad mit dem Finger berühren und halten. Dann kommt ein roter Punkt auf der Projektionsfläche. Hat bei mir auf einem anderen Beamer schon mal funktioniert, in der letzten Zeit aber nicht mehr. Tut sich nichts mehr. Kapiere ich nicht.

Gibt es weitere Probleme? Gibt es. Zum Beispiel, wenn man einen Link auf eine bestimmte Webseite in die Präsentation einbaut. Den Link kann man aber gar nicht klicken! Bleibt nichts anderes übrig, als die Präsentation zu beenden, den Link zu kopieren und mit einer anderen App zu öffnen; allerdings nicht mit Safari, weil die mitgelieferte BrowserApp nicht gebeamt werden kann. Dazu später mehr. Was ebenfalls nachteilig sein kann: keine Projektion im Bearbeitungsmodus …

Good Reader (0,79 Euro | iTunes-Link)
Eigentlich ein Programm zum Lesen von PDFs. Läuft aber am Beamer hervorragend. Startet sofort nach Aufruf der Datei die Projektion. Gut auch: Eingebaute Links werden innerhalb der App geöffnet, die Webseiten werden ohne Probleme gebeamt und sind klickbar. Mit einem Touch ist man wieder zurück im Ausgangs-PDF. Nachteil: In PDF umgewandelte Päsentationen sind natürlich aller Animationen entledigt. Auf erhellende, die Aufmerksamkeit steigernde Effekte muss man verzichten. Trotzdem: für einfache Präsentationen ist Good Reader eine echte Alternative zu Keynote.

Videos
Es geht hier um die standardmäßig installierte App mit dem Namen “Videos”. In die werden automatisch alle Filme abgelegt, die man via iTunes importiert. Am Beamer werden die Videos problemlos projeziert. Anschließen, starten, fertig. Allerdings wird ebenfalls das aktuell projezierte Bid nicht auf der iPad-Oberfläche angezeigt, sondern nur der betreffende Thumbnail des Videos. Der Film lässt sich über das iPad bequem steuern. Besonderheit beim Ton: man kann mit einem Kabel Klinke-auf-Klinke den Kopfhörerausgang des iPad mit dem LG-Beamer verbinden. Funktioniert perfekt, das Ergebnis ist allerdings ernüchternd. Die 1-Watt-Boxen am LG-Beamer sind nicht ausreichend, da liefert das iPad selbst einen besseren Ton. Falls der Beamer aber an eine Tonanlage in einem Tagungsraum angeschlossen ist, lässt sich derart die Tonspur des Videos problemlos auf den Beamer übertragen.


Hier projeziert das iPad auf dem Beamer ein Video. Man erkennt die unterschiedlichen Bilder auf “Leinwand” und iPad. Außerdem das weiße Kabel für die Tonübertragung.

YouTube
Das Beamen von Videos bei YouTube mit Hilfe der mitgelieferten App funktioniert ohne Probleme. Die Oberfläche des iPad bleibt wiederum schwarz, während die Bilder projeziert werden…

Presenter (0,79 Euro | iTunesLink)
Wer nur Webinhalte projezieren möchte, kann nicht auf Safari zurückgreifen. Die Leinwand bleibt schwarz. Als Ersatz kann die App Presenter dienen. Webinhalte werden bei mir ohne Probleme angezeigt, sogar HTML5-Videos laufen sofort. Die kritischen Kommentare im App-Store kann ich nicht nachvollziehen. Verzichten muss man allerdings auf einige Funktionen von Safari: es gibt keine Tabs und die Lesezeichen werden nicht importiert.

Fotos
Mittels der mitgelieferten Foto-App von Apple können Fotoinhalte teilweise projeziert werden. Teilweise deshalb, weil Fotos in der wischbaren Einzelansicht nicht übertragen werden. Anders sieht es mit einer Diashow aus, die man per Tipp oben rechts aus einem Album erzeugen kann. Die wird sofort gebeamt. Die dazu auswählbare Musik wird ebenfalls übertragen. Nette Sache.

FlickStackr (1,59 Euro | iTunes-Link)
Diese sehr praktische App zur Verwaltung eigener Inhalte auf der Fotoplattform Flickr wird überraschenderweise auf die Leinwand projeziert, wie ich zufällig festgestellt habe. Zwarauch nur im Einzebildmodus, aber immerhin.

Welche Apps funktionieren nicht am Beamer?

Zu viele, nach meinem Geschmack. Hier eine rein subjektive Auswahl von Apps, die ich auf meinem iPad habe und testen konnte

  • Kalender
  • iPod (wäre doch klasse, eine Psychedelic Lightshow laufen zu lassen…)
  • Notizen
  • Karten (Google Maps)
  • iTunes
  • App-Store
  • iBooks (das ist schon ein Trauerspiel…)
  • Pages
  • Evernote
  • Adobe Ideas (schwach: man kann damit keine Kreativsitzung mit iPad und Beamer machen)
  • Popplet (App zur Erstellung von Mindmaps und Ideenskizzen)
  • Flipboard
  • iBrainstorm (Kreativapp)

usw. usf. DIE WENIGSTEN APPS UNTERSTÜTZEN DEN VGA-EXPORT!!elfeinseins!

Nachtrag
Wenn man im App-Store nach Beamer, Projector oder VGA recherchiert findet man dann noch folgendes. Ich habe die allerdings nicht selbst getestet. Wird nachgeholt und dann ausführlicher besprochen. Sprengt jetzt hier etwas den Rahmen.

JotBook (0,79 Euro | iTunes-Link)
Sieht recht nett aus, wohl aktuell im Angebot: Notizen und freies Zeichnen auf iPad und simultane Projektion mit dem Beamer möglich.

iMeetingPad (3,99 Euro | iTunes-Link)
Damit kann man laut Beschreibung Notizen machen, freie Linien zeichnen uns usf. Diese Aktionen werden direkt auf die Leinwand übertragen. Schaue ich mir demnächst genauer an. Sie hat allerdings etwas, wie soll ich sagen, nach MS-Clipboard aus die Sache, urrgs.

Map Projector with Google Maps (1,59 Euro | iTunes-Link)
Mit dieser App kann man Inhalte von Google Maps projezieren. Kundenbewertungen liegen keine vor, sieht aber okay aus.

Expedition (0,79 Euro | iTunes-Link)
Weiterer Webbrowser, offenbar mit einigen Funktionen mehr (Laser-Pointer).

Weitere, von mir nicht getestete iPad-Apps, die lt. Beschreibung ebenfalls projezierbar sind:

  • Penultimate (2,99 Euro | iTunes-Link). Notizapp.
  • Whiteboard (2,99 Euro | iTunes-Link)
  • 2Screens (3,99 Euro | iTunes-Link). Kann eine Menge. Werde ich bald mal vorstellen …

Noch irgendwelche Fragen offen?
Hat jemand eigene Erfahrungen mit iPad am Beamer?