Texte schreiben mit Writer auf dem iPad

von Kacper Potega am 22. September 2010 · 8 Kommentare

Wie könnte man besser eine Schreib-App rezensieren als die Rezension über jene mit derbrezensierten App zu schreiben? Genau das mache ich gerade. Heute morgen kaufte ich mir iA Writer von informationarchitects und nach einem Morgen und einem Abend Rumtippen, denke ich, kann ich mir ein gutes Bild machen.

Zunächst fragt man sich natürlich zurecht warum es denn unbedingt noch eine App geben muss, mit der man Texte verfassen kann. Texte verfassen ist nämlich nicht unbedingt Hauptzweck des iPad, bedenkt man die eher mittelkomfortable Tastatursituation. Ich stelle mir jetzt aber einfach vor wie alle hätten Bluetooth-Keyboards.

Die Macher haben diejenigen ohne externe Tastenanlage aber auch bedacht und liefern mit der App ein optimiertes Keyboard mit Pfeiltasten zum Fahren von Buchstabe zu Buchstabe, aber auch Tasten um von Wort zu Wort zu springen. Das funktioniert überraschenderweise deutlich besser als die Lupentextauswahl von iOS.

Weiteres Feature ist die Anzeige der “Reading Time” in der oberen Leiste sowie neben dem Text beim kurzen Pausieren. Textlängen können so deutlich besser eingeschätzt werden als durch die Angabe der Zeichenzahl – die die Entwickler in der oberen Leiste aber auch eingebaut haben. Etwas ähnliches hatte ich mit Stijlroyal ja bereitsinspiriert durch einen Blogpost von Oliver Reichenstein entwickelt und vorgestellt – den Average Reading Time Generator.

Ein weiteres Feature ist der Focus Mode genannte Modus, der die obere Leiste ausblendet und den Text – bis auf die letzten drei Zeilen – verblasst, sodass man sich tatsächlich auf das gerade geschriebene konzentrieren kann.

Grundsätzlich ist genau das das Hauptveresprechen der App – kein unnötiger Kram, nur das nötigste. Das spiegelt sich im Verzicht auf solche Funktionen wie Rechtschreibkorrektur aber auch in der sehr funktional gehaltenen Typografie wider. Bearbeiten lässt sich der Text nämlich nur inhaltlich, nicht aber in seiner Form.

Ehrlich gesagt liegt genau hier für mich die Krux. Die App ist ohne Zweifel gut gemacht, die Texte lassen sich mit Dropbox synchronisieren (auch wenn eine Google Docs Anbindung für mich nützlicher gewesen wäre), aber: Ich schreibe am iPad keine Texte. Ich schreibe meine Texte (bis auf diesen) am MacBook, einfach weil das Gerät an sich dafür bequemer ist.

Das mag jetzt nur mich betreffen, im Bekanntenkreis mache ich aber ähnliches aus. Wenn Texte geschrieben werden (für Uni oder Job), müssen diese oft eine bestimmte Formatierung besitzen, mit Bilderen versehen werden oder Tabellen beinhalten – alles Word-typische Funktionen, die Writer nicht kann.

Vielleicht kennt einer der Leser ja eine mögliche sinnvolle Anwendung. Bis diese gefunden ist, bleibt Writer eine geschickt gestaltete und solide umgesetzte unnütze App. Ich warte derweil auf die Desktop-App für mein MacBook.