Apple nimmt Zensur von Comic-Apps auf iPad zurück

von Dirk Baranek am 15. Juni 2010 · 3 Kommentare

Apple scheint auf Proteste gegen (selbst)zensierte Inhalte bei Apps für das iPad zu reagieren. Jetzt wurden zwei Comic-Titel nach Protesten wieder in ursprünglicher Form zugelassen.

Wie berichtet, muss sich Apple dem Vorwurf aussetzen, selbst leicht anstößige, erotische Inhalte oder auch Gewaltdarstellungen aus dem App-Store rausschmeißen und mit dieser Poltik weit über das Ziel hinauszuschießen. Wir hatten hier auf Schwärzungen in der deutschen BILD hingewiesen. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Zum einen hat nach eigener Beobachtung die BILD auf Balken über blankem Busen in den letzten Tagen verzichtet. Zum anderen sind jetzt zwei Fälle bekannt geworden, in denen Comics zunächst auf Verlangen des App-Store-Teams zensiert und dann nach heftigen Protesten in der Web-Öffentlichkeit doch wieder in der ursprünglichen Form zugelassen wurden.

Dabei gandelt es sich in dem einen Fall um eine Comic-Adaption des Romans Ulysses von James Joyce. Dieser Roman erregt, nebenbei bemerkt, wegen expiliziter Schilderung sexueller Handlungen seit Jahrzehnten die Gemüter. Die Comic-Version als iPad-App – Titel: Ulysses Seen – ist dagegegen eigentlich ziemlich harmlos und enthält nur eine Zeichnung mit einem nacktem Frauenoberkörper. Apples Reaktion: Das muss geändert werden.

Gleiche Vorgehensweise bei einer Graphic Novel nach Oscar Wildes Importance of Being Earnest. Hier bestand die inkriminierte Stelle in einem Kuss – allerdings von zwei Männern, also in einer homoerotischen Darstellung. Die Autoren entschlossen sich daher zu schwarzen Balken.

Die Folgen war erheblich, denn beide Autoren machten das Vorgehen von Apple öffentlich und lösten damit einen Proteststurm im Web aus.

Jetzt die Kehrtwende: Apple ist zurückgerudert. Apple-Sprecher Trudy Miller sagte: “Wir haben einen Fehler gemacht.”

Inzwischen sind beide Comics wieder in der Original-Fassung erhältlich.

Fazit: Protest scheint was zu bringen. Apple hat seine Politik noch nicht gefunden. Der Computerhersteller muss lernen, sich auf dem empfindlichen Feld des veröffentlichten Wort und Bildes zurechtzufinden. Wie es aussieht, haben die Verantwortlichen die Reaktionen unterschätzt. Apple scheint lernfähig und will die intellektuelle Öffentlichkeit nicht vergrätzen.

Quellen: Bleeding Cool, The Big Money

Danke an @quitzi für den Hinweis