Apple reguliert die Inhalte, die bei iTunes angeboten werden. Der Bereich Musik ist meines Wissens noch nie so recht davon betroffen gewesen, aber bei den Apps gab es zuletzt erhebliche Eingriffe. Inhalte mit leicht anzüglichem Bildmaterial wurden rausgeschmissen. Es ging dabei nicht um Pornografie, davon war sowieso noch nie etwas zu sehen, sondern um relativ harmlose Bikini-Fotos.
Jetzt aber geht es weiter. Inzwischen sind ja auch deutsche Verlage mit ihren Produkten auf Grund der neuen Möglichkeiten des iPads dort vertreten. Unter anderem der Springer-Verlag mit seiner App iKiosk. Mit der ist es möglich, aktuelle Print-Ausgaben von WELT, Hamburger Abendblatt und auch BILD zu laden.
Besonders das Revolverblatt BILD ist dafür bekannt, blanke Busen zu zeigen, gerne auch auf der Titelseite. Dass diese Darstellungen mit weißen Streifen überarbeitet werden, um nicht gegen die Regeln von Apple zu verstoßen, kann nicht überraschen. Allerdings geht die (Selbst?-)Zensur wesentlich weiter, wie man heute sehen konnte. Nicht nur Sex und Erotik scheint im Visier der Apple-Kontrolleure zu stehen, sondern auch Darstellungen, die in der US-Medienwelt als graphic violence bekannt sind.
In zwei BILD-Artikeln befinden sich Fotos, die durch schwarze Flächen abgedeckt werden. Zum einen geht es um Bilder aus einer TV-Dokumentation über brutale Aktionen in Tschechien, die sich im Mai 1945 offenbar gegen Sudetendeutsche richteten. Hinrichtungsszenen, Tote – alles abgedeckt. Der zweite Artikel berichtet über den “Plastinator” Gunter von Hagen, der Leichenteile präpariert und ausstellt. Auch hier wurden Darstellungen abgedeckt.
Sicher, BILD beutet solche Bilder gnadenlos sensationalistisch aus. Es stellt sich aber die Frage, wie weit das alles noch gehen wird. Werden wir bald auch keine Bücher im iBookstore finden, in denen Fotos von Leichenbergen in Konzentrationslagern den Völkermord dokumentieren? Wird das berühmte Exekutionsfoto aus dem Vietnamkrieg nicht mehr in der Applewelt zu sehen sein? Werden zuletzt die Schreckensbilder von Goya aus dem spanischen Krieg vor 200 Jahren der Zensur zum Opfer fallen?
Hier wird sich ein Druck in der öffentlichen Meinung aufbauen müssen, um solchen Entwicklungen Einhalt zu gebieten.




[...] iPadMag.de berichtet am Beispiel des Bild-Apps nun, dass nun neben der Darstellung – auch weicher – sexueller Inhalte (z.B. Bikini-Fotos) auch Gewaltdarstellungen zensiert/geschwärzt werden. Dienen diese allein der Unterhaltung, kann man Apple’s Vorgehensweise (auch vor dem Hintergrund des Jugendschutzes) nachvollziehen, dient sie jedoch der Vermittlung von Wissen oder der Sensibilisierung für bestimmte Schachverhalte wird eine Grenze überschritten an der das Einhalten von moralisch getriebenen Werten und das Recht auf Information in der freien Welt aus ihrer Balance geraten. [...]
Deutsche Zeitungen: Selbstzensur auf dem Ipad…
…
Auf jeden Fall zensiert Apple in iTunes bei Filmen und Musikstücken die Titelbezeichnung, wenn ein böses Wort drin vorkommt.
Aus Sperma wird dann halt S****a. Sehr sinnig bei einer Dokumentation über eben jenes
ein titel unseres letzten mini albums heisst jetzt:
»A Proven P***s Enlargement Program«
tja, was haben wir auch solche songs…
“BILD beutet solche Bilder gnadenlos sensationalistisch aus.”
Nicht nur sensationalistisch sondern in diesem Fall vor allem revisionistisch im Sinne des rechtsradikalen Bund der Vertriebenen.
Offizieller Verkaufsstart des iPads…
ich finde deinen Beitrag sehr interessant und hab dir nen Trackback gesetzt….
[...] mit Apple eingegangen zu sein und bietet seinen Content jetzt völlig frei von Flash an. Die BILD zensiert die eigenen Inhalte vorauseilend, um nicht mit zu viel nackter Haut gegen Apples Spielregeln zu [...]
[...] verlangt hat und auch anders geht, aber bei Apple bestimmt gut ankommt. In seiner iPad-App iKiosk verdeckt Springer auch Bilder, die als „Graphic Violence“ eingestuft werden, fand Dirk Baranek für das iPadMag [...]
Wo besteht denn Handlungsbedarf?
Gerade Springer betet das iPad als Heilsbringer an und muss sich jetzt folgender, simpler Erkenntnis stellen:
Die Regeln werden von Apple gemacht, niemand ist gezwungen, Apps anzubieten.
Man muss ja nicht gleich zur “App” greifen, die Inhalte sind ja auch per Browser verfügbar – gänzlich unzensiert – aber dann braucht man natürlich auch keinen iPad mehr …
apple zensiert sogar literaturklassicker wie “moby dick”. aus dem englischen “sperm whale” was soviel wie pottwal heisst, wurde ein s**** whale” und was mit mobys nachnamen geschah, kann sich jeder vorstellen…
es wäre schön,wenn die medien auch einmal kritisch über das ge”i”ere berichten würden und nicht jedes neueste produkt aus deren hause hochjubeln würden.
der deutsche Presserat und Bildblog.de dürften jetzt die Sektkorken knallen lassen.
Die Zensur der Bild ist ja eigentlich recht angebracht. Da das Schmuddelblatt selbst ja nicht auf die Idee kommt.
Bei richtigen Zeitungen hingegen, ist das Apple-Vorgehen mehr als zweifelhaft. Aber gut, Apple ist nicht die Welt und ihre überteuerten Nischenprodukte sind ja eh nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht.
Ich habe mir noch nie eine Bild gekauft, weil mir der Inhalt einfach nicht gefällt. Eine Zensur dieser “Zeitung” ist aber dennoch nicht zu rechtfertigen, sofern nicht gegen ein Gesetz verstoßen wird oder die Rechte Einzelner verletzt werden (was aber wohl häufig der Fall sein dürfte).
Am Wochenende war ich versehentlich in einer Kirche, in der ein recht realistisch dargestellter Jesus am Kreuz hing. Es wäre interessant zu erfahren, ob ein Foto dieser Kirche in einer App entsprechend geschwärzt werden müsste.
@6 (mordred):
warum das?
.~.
Da sieht man es halt, nicht das iPad rettet das Zeitungswesen… das war doch von Anfang an Quatsch. Die Technik und Apps sind ja nichts falsches, aber erst wenn es Konkurrenz und vor allem vernünftige Opensourcevarianten gibt macht das ganze auch Sinn. Bis dahin ist das was man auf sein Pad bekommt eben gefiltert und damit das Papier schon vor dem Druck schmutzig.
etwas OT, aber nötig, sorry:
@K revisionistisch? Meinst du damit Geschichts-revisionistisch?
Dem muss widersprochen werden, denn es handelt sich hier nicht um Geschichtsklitterung oder dergleichen sondern um ein mittlerweile veröffentlichtes Originalvideo!
“Forschungen, die zunächst eine Minderheitsmeinung in der Geschichtswissenschaft vertreten, die sich dann aufgrund neuer gesicherter Erkenntnisse allgemein durchsetzt, werden im deutschen Sprachraum jedoch nicht Geschichtsrevisionismus oder Revisionismus genannt.” (wiki)
sorry, aber wer glaubt, dass es in so einem Krieg nur von einer Seite Greueltaten gab ist schlichtweg naiv…
gebt mal.. “vietnamkrieg exekutionsfoto” bei google ein.. beunruhigend.
@Onebyone: Krass.
Was hat man sonst erwartet? Die Freiheit? Die elektronischen Zensoren kennen noch weniger Gnade wie die Stasizensoren. (Ironie, in Bild ist oft das einzige Erträgliche wohl der nackte Busen, wobei das Frau-Sexobjekt auf Seite 1 meistens mit irgendeine Empörung über Sexualtäter in späteren Blättern gefolgt wird ) . Aber bitte: Die Zeitungen jammern alle über Geldmangel…. Dann sollten sie damit aufhören, die gesamte Businesscommunity mit Werbung umsonst zu versorgen. Wenn Apple für die Seite-Eins Werbung hätte zahlen müssen, hätten die Zeitungen auch mehr Geld für Journalisten, das könnte bessere Berichterstattung unterstützen…
Ich kann mich gar nicht aufregen. Amazon hat mein iPad immer noch nicht geliefert.
Oh Moment…
[...] rausschmeißen und mit dieser Poltik weit über das Ziel hinauszuschießen. Wir hatten hier auf Schwärzungen in der deutschen BILD hingewiesen. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu [...]
[...] Zeitungen und Zeitschriften auszuüben versucht. Auf dem offenbar nicht von Apple finanzierten iPadMag werden diese Themen offen diskutiert. (Gleichzeitig steht da so viel Tolles über das iPad, dass [...]
Gib in Google mal “vietnamkrieg exekution foto” ein und Du wirst andere Ergebnisse in der Bildersuche finden.
ich mag dumm und naiv sein, aber mir ist egal, was zensiert wird, solange alles einfach zu bedienen ist und alle funktionen da sind die ich brauche!!!! man muss nicht überall und für jeden mist bewusstsein entwickeln. ich brauche weder hinrichtungsfotos noch pornographie. ich fände es auch gut, wenn das aus dem internet ganz verschwindet!!! besonders mit kinder, es ist absolut widerlich. und die ganzen computerfreaks regen sich dann auch noch auf, wenn einer mal eine sperre einrichten will.
Danke für deine engagierte Meinung. Es ist allerdings in dieser Diskussion immer schwierig, wer und wir die Grenzen zu definieren sind. Bisher haben das in D die Gerichte getan. Nun aber ist es ein Unternehmen. Für meine Person ist die Sache allerdings klar: wer mit der Politik von Apple nicht einverstanden ist, der muss es ja schließlich nicht kaufen …
[...] Firmenstandort des Hightech-Imperiums: die USA gelten als prüde – und dieser Prüderie sind die zahlreichen moralischen Zensuren geschuldet, die Medien im Umgang mit amerikanischen Technologien [...]