Hoffnungsvoll haben Verlage und Konsumenten das iPad erwartet. Als Retter der Magazinpublikationen, als optimales Device zur Betrachtung dieser. Was wir aber bisher vorliegen haben, ist mehr als enttäuschend. Und das wird sich nicht ändern.
Jetzt, wo das iPad auch in Deutschland verfügbar ist, können wir auch in den Genuss deutscher Zeitungen und vor allem Zeitschriften auf dem iPad kommen. Neben der bereits vom iPhone bekannten SPIEGEL-App, haben es auch die WELT und die brand eins in den AppStore geschafft. Am meisten erwartet wurde auch hierzulande allerdings die lange angekündigte iPad-Version von WIRED, die seit einigen Tagen im AppStore zu finden ist.
Da für letztere ein sehr hoher PR-Aufwand betrieben wurde und sie immer wieder als Beispiel für die Umsetzung eines Erfolgreichen Magazins auf dem iPad genutzt wurde, steht sie nun da als Symbol für Zeitschriften und ähnliche Publikationen auf dem neuen Applegerät. Und obwohl die Kommentare vieler Nutzer und die Verkaufszahlen zunächst eine etwas andere Schlussfolgerung nahelegen: Sie ist eine absolute Enttäuschung.
Die meisten Leser werden sich an die “interaktive” CD-ROM erinnern, an die 90er Jahre. Es scheint so, als lade man sich diese CD-ROM nun zwar aus dem AppStore und das von Unterwegs – aber viel hat sich nicht verändert. Man kann auf Tap (statt Klick) ein Bild auf Bildschirmgröße maximieren, Videos abspielen, Töne erzeugen, Bildanimationen ansehen. Was im ersten Moment ganz nett aussieht, aber auch damals schon mehr technische Spielerei war, als inhaltliche Bereicherung. Ein reines, nett aufbereitetes PDF wäre mir fast lieber.
Habe ich noch vor wenigen Tagen das iPad als benutzerfreundliches Gerät gelobt, muss ich heute auf die Drittanbieter schimpfen.
Im Prinzip ist die Applikation eine Anreihung von Bildern, durch die sich der Benutzer scrollen kann. Ich fühle mich erinnert an meine Anänge im Webdesign, als ich in Photoshop Layouts in Tabellen aus einzelnen Bildern zerlegt und so online gestellt habe. Nun könnte man wenigstens damit argumentieren, dass ja die Bilder, durch die man scrollt, ja wenigstens schön anzuschauen sind, was so weit auch stimmen mag. Mehr als durchblättern möchte man aber nicht wirklich machen, zum Lesen animiert das Layout nicht.
Und nun kommt die wichtigste Frage, mit der wir von WIRED wieder zurück auf die Allgemeinheit der Magazine kommen:
Welchen Mehrwert bietet das Magazin als App gegenüber der Website?
Keinen. Nicht bei WIRED, nicht bei SPIEGEL, nicht bei der WELT. Sicherlich sind Inhalte dabei, die es im Web so nicht gibt. Genauso könnte man diese aber als Paid Content online stellen. Magazin-Apps sind nämlich nichts anderes: Paid Content hinter dem Schleier des AppStore.
Die beste Magazin-App wäre also ganz simpel eine Website. Eine Magazin-App, die die eigene Website für das iPad optimiert und um für das Gerät interessante Funktionen erweitert. Zum Beispiel könnte man Funktionen wie die von Instapaper übernehmen. Artikel zum später lesen temporär auf dem iPad speichern. Und das ist nur eine von tausenden Ideen, die man nach wenigen Sekunden Brainstormen haben könnte.
Nun verdient man damit selbstverständlich nicht so viel Geld wie mit einer monatlich erscheinenden App für 6€. Noch. Vermutlich verdient man mit der jetzigen Variante aber auch nicht viel Kohle, die Produktion ist noch relativ teuer, die Absätze noch zu niedrig. Und der Erfolg wird nicht schlagartig in die Höhe schießen, wenn die Publikationen weiter so aussehen werden wie jetzt.
Ich warte gespannt auf iAd. Vielleicht ändert es die Herangehensweise an die eigenen Publikationen auch in diesem Bereich zum Guten.


Interessanter Beitrag. Habe den Iconist und den Spiegel getestet. Enttäuschend ist – insbesondere beim Spiegel – dass ich für Foto-Reihen und Videos trotzdem einen Internetzugang brauche. Das führt die Sache etwas ad absurdum. Der Iconist versucht alles in die App zu packen, was technisch möglich ist. Hübsch anzusehen und macht für kurze Zeit auch Spaß … zum Abo treibt es mich nicht, da zählt dann doch der Inhalt.
Übrigens habe ich mir soeben den Spiegel als Print-Version gekauft. Das iPad ist leider nicht strandtauglich .
… über Look & Feel lässt sich bekanntlich streiten. Tatsächlich sind es eher die Kleinigkeiten die zum mobilen lesen einladen – Instaper ist definitiv ein gelungener Ansatz. Etwas chaotisch im offline, bzw. später lesen. Hier fehlt die Führung, die optisch von Print Angeboten durch ausgefeilte Gestaltung gelöst wird. Für organisierte Puristen würde ein 0-9 – A-Z Index, á la dropbox iPhone App reichen…
… beschäftige mich dann mal weiter mit der Frage «Wie man Content (Print) auf das iPad bekommt» http://oyen.de/print2ipad
@Doc|dk: Interessant ist, als Ergänzung, übrigens auch die Größe der WIRED-App: 500MB. Pro Ausgabe. Das ist mehr als absurd …
Tatort “Applestore”
Heute in irgendeinem Kaufhaus in Deutschland 10.00 Uhr Tatort “Applestore” Eine gebannte Menschenmenge drängt sich um einen Holztisch wo die neueste Insigne von Apple aufgebart ist. Der oder Das „iPad“ ja was ist es den überhaupt was die Menschenmenge so begeistert in Ekstase versetzt und gleichermaßen anhimmelt. Keiner weiß so recht, was man denn nun mit diesem Ding so richtig anfangen soll, aber „Egal“ eines steht fest BOAH is das Cool….!! Ey guck ma’ ‘n iPad” Der Marktschreier anmutende Mitarbeiter von Apple erklärt hinter seinem Stand der Menschenmenge eifrig die Vorzuge des iPad’s. (…)und wenn Sie jetzt diese Schrift lesen möchten, dann machen Sie einfach mit dem Doppelklick auf dem Bildschirm die Schrift größer und wie von Geisterhand Vergrößert sich die Schrift. Und die Menge ist außer sich vor Begeisterung. Ich kann das Gefühl nicht unterdrücken alles schon mal irgendwie gesehen zu haben und es ist wie mit der Superduper Neuen Gemüsereibe: Blade-2010 jeder hat zwar eine seit Jahren in der Schublade, aber die hier, die muss man einfach haben. Sie ist selbstverständlich eine unverzichtbare Ergänzung zum Täglichen Leben. Warum lassen sich die Menschen nur so für dumm verkaufen? Nur weil ein abgebissener Apfel drauf klebt. Jedes billige Netbook bietet mehr Möglichkeiten als das iPad darüber hinaus neigt Apple zu Proprietären Systemen somit ist das iPad mit nichts außer Apple (Kabel/Software) selbst kompatibel. Es lebe der Konsum, weiter so…..
Die Geschmäcker sind verschieden. Zum einen ist im Spiegel EPaper Abo eine vollständige PDF Version enthalten, zum anderen hinkt der Vergleich zur interaktiven CD Rom.
Die Inhalte müssen nicht über einen Datenträger installiert werden, sondern stehen online sofort bereit. Gerade Wired zeigt sehr schön, welche gestalterischen Möglichkeiten das neue Medium bietet. Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spass beim Lesen wie beispielsweise beim Toy Story 3 Artikel.
Natürlich kann man vieles auch mit HTML machen, aber ein Notebook ist mir viel zu sperrig und zu umständlich.
Gerade WIRED zeigt in meinen Augen wie schön das Medium traditionelle Gestaltung darstellen kann, NICHT aber wie man schön für das neue Medium gestalten kann. Alleine das Mehrkolumnen-Layout (s. den Artikel von iA).
Das hat nicht viel mit Geschmack zu tun.
Ich hab mir am Wochenende mal die Welt-App näher angeguckt, mit der Zeitung daneben. Das war – nun ja – erschreckend –>
http://37bo.sl.pt
Als “Buchersatz” sehe ich das iPad gar nicht. Wie schon erwähnt wurde, ist das iPad nicht strandfähig. Außerdem will ich gar nicht den lieben langen Tag auf einen Monitor starren. Ich weiss nicht wie es um die ebook Reader steht, aber geboomt hat die Branche glaub ich auch nicht.
Wenn die Inhalte nicht einen deutlichen Mehrwert bieten zum Onlineangebot und zu einer Printausgabe, dann wird kaum einer diese nutzen wollen. Ich zumindest nicht. Das iPad hat aber ja noch wesentlich mehr Potenzial als nur ein besserer ebook-Reader zu sein.