Springer-Chef betet

von Dirk Baranek am 8. April 2010 · 2 Kommentare

Schon etwas bizarr, der Auftritt von Springer-Chef Mathias Döpfner im US-Fernsehen, den man hier sehen kann. In einer Talk-Show berichtet er über das iPad, das er sich gerade während eines Aufenthalts in Miami gekauft habe. Dann versteigt er sich zu einer Eloge über Apple-Chef Steve Jobs: “Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.”

Vor allem die einfache Bedienbarkeit des Gerätes sei eine neue Qualität, und dass es gleichzeitig ein simples Bezahlmodell mitliefere. Dann stellt Döpfner die Applikation der WELT vor, die man jetzt auch auf dem iPad lesen kann und die man bezahlen muss. Wichtig ist ihm auch der Umstand, dass es sich um ein “Zurücklehn-Gerät” handele, das man eben bequem auf dem Sofa lesen könne und nicht in einer Arbeitshaltung.

Trotzdem: wir halten die Hoffnung von Döpfner, der auch der amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch huldigt, dass es mit dem iPad nun vorbei sei, mit dem verfluchten Gratis-Web, für verfrüht.

Zum einen: Ja, man kann mit dem iPad auch surfen. Alle kostenlosen Newssites sind weiter erreichbar. Von daher ändert das iPad zunächst mal gar nichts.

Zum anderen: Die Nutzer werden nur dann auf Bezahlinhalte zurückgreifen, wenn diese wirklich einen Mehrwert bieten. Das ist aber bisher nicht der Fall. Es sieht derzeit eher danach aus, als ob die Verlage einfach ihre Printausgaben in lesbare Dokumente umwandeln. Das wird aber nicht reichen.

Chancen sehen wir für Nischeninhalte. So sind wir gespannt auf die erste Ausgabe von WIRED, die wir sicher mal kaufen werden. Einfach mal eine Ausgabe runterladen, eine schöne, mit extra für das iPad aufbereiteten Inhalten. Aber eine simple Tageszeitung, das braucht kein Mensch. Da wird Döpfner wirklich noch beten müssen.