Als Dirk Baranek uns fragte, ob wir Lust und Zeit hätten, das Weblayout für iPad-Mag.de zu machen, da sagte ich spontan zu und das hat seine Gründe.
Mal abgesehen davon, dass ich Dirk Baranek nach etlichen Hundejahren im Netz und in dieser anderen Wirklichkeit, also der Wirklichkeit, als formidablen Mann mit guten Ideen und guter Seele (Sie wissen schon) kennengelernt habe und deshalb hier auch gerne schreibe, empfinde ich das iPad als den nächsten großen Schritt in eine Zukunft, die dann möglicherweise die Bezeichnung “Kommunikationszeitalter” auch verdient. Auf so etwas wie das iPad habe ich lange gewartet und ich habe schon 1996, als ich mit dem World Wide Web in Berührung kam, gedacht, dass irgendwas fehlt. Und da hat es nochmal fünf Jahre gedauert, bis ich mir mit dem ersten iBook die Möglichkeit eines Rumtraginternets erworben habe. Zuvor war das Web ein statischer, verkabelter Ort an meinem »Arbeitsplatz« und hatte nicht viel von Zukunft. Als ich das Internet kennen lernte, da dachte ich, dass dies die Ablösung des Rades als größte Erfindung aller Zeiten sein könnte (und das denke ich übrigens heute immer noch). Genauso wie seinerzeit das Rad, war das Internet aber längst nicht in seinem Idealzustand angekommen.
Es hing fest, hatte Kanten, es war störrisch, Programme zur Nutzung des Internets brachten Verzweiflung und Not über die Gemüter der Nutzer und bringen diese bisweilen noch heute. Die streng limitierte Nutzung des Internets zu Hause, am Schreibtisch via PC oder Mac war obendrein unideal. Mit dem iBook ging das schon besser und wenn es der WLAN-Gott wollte, dann konnte man sogar mit dem tragbaren Gerät ins Café gehen um dort seine Arbeit zu erledigen… okay, na gut… um im Internet zu surfen.
Hinzu kam ein für mich enorm wichtiger Aspekt: das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern. Bis heute sind die Möglichkeiten des Konsumierens von Content eher suboptimal gestaltet. 1996 habe ich mir die Artikel bei z.B. Spiegel-Online noch aus dem Netz geladen um sie danach offline zu lesen. Internet war damals teuer. Die Stunde bei Compuserve kostete sechs DM, weitere sechs DM Telefongebühren kamen hinzu. Ich habe damals sogar manchmal das Internet ausgedruckt, um es mit in den Görlitzer Park zu nehmen und es dort zu lesen. Ja okay, über die Straße gehen und den Spiegel kaufen wäre irgendwie… naja, Sie wissen schon.
Die Preise relativierten sich mit der Zeit. Als es in Wiesbaden DSL gab, stand ich an der Pforte der Teilnehmung und rüttelte daran. DSL… die Zukunft hatte nun endlich begonnen. Anders als die umständliche Installierung von Software zur Nutzung von ISDN, war DSL ein Kinderspiel. Die monatlichen Gebühren waren immerhin überschaubar, wenn auch nach heutigen Maßstäben nicht unbedingt günstig. Nach damaligen übrigens auch nicht.
Es nutzte aber alles nichts: Sowohl das Internet als auch der darin enthaltende Zeitungs- und Magazincontent wollte mit ins Bett, in die Straßenbahn, ins Auto, Hotel, Park, Café und aufs Klo mitgenommen werden. Wie man das mit herkömmlichen Magazinen und Büchern eben so macht. Das Gerät zu diesem Zwecke sollte keine zwei Kilogramm wiegen und irgendwie einfach und zweckgemäß zu verwenden sein.
Naja. Die ersten eBook-Reader waren da keine große Hilfe. Ganz große Hürde hier, die verkorkste Abwicklung der DRM-Verfahren. Die Hersteller und die Verlage konnten sich nur schwer einigen und dann hinkte die Technik und das Design solcher Geräte derart hinterher, dass der Konsument lieber auf die Erschaffung nutzbarer Geräte wartete, als sich eins der unausgegorenen Endgeräte zu kaufen.
Und auf was wartete ich? Ein eBook-Reader sollte einen drahtlosen Zugang zum Internet haben. Content MUSS direkt aus dem Netz in das Gerät geladen werden. Alles andere ist Humbug. Wer schon mal ein Buch auf das Cybook Opus von bookeen geladen hat, kratzt sich hinterher enerviert am Resthaar. Darüber hinaus ist die Handhabung des von uns privat benutzten Gerätes eher schwierig. Zwar sagen die Hersteller, dass Hintergrundbeleuchtung ungünstig für die Augen sei, wenn ich aber zum Lesen eines eBooks Festbeleuchtung installieren muss, komme ich mir irgendwie blöd vor. Auch die Vergrößerung der Schrift auf dem Cybook ist umständlich. Genau aber diese beiden Funktionen finde ich überaus wichtig. Ich, ein von einer Sehschwäche Geplagter, möchte meine Bücher bequem und klar lesen können. Auch einen Internetzugang sucht man vergeblich an diesem Gerät.
Bei anderen Herstellern war das nicht anders. Das Kindle von Amazon verpatzte den Deutschlandstart 2009, weil Amazon sich mit keiner Mobilfunkgesellschaft auf einen Vertrag für die anfallenden Datenkosten zur Übertragung eines eBooks einigen konnte.
Als Apple dann das »iSlate« (so hieß es vor der Veröffentlichung, getragen von der Apple-üblichen Gerüchteküche) ankündigte, wurde ich unruhig. Analog zum iPhone waren hier gute Lösungen zu erwarten. Und so scheint es nun auch zu sein.
Das iPad kann das, was ich von so einem Gerät erwarte. Außerdem kann ich das Internet (bis auf ein paar browserspezifische Details) so nutzen, wie ich es gewohnt bin. Ich kann es sogar horizontal und vertikal nutzen, was mir Kraft und Zuversicht verleiht. Wenn der iBook-Store von Apple nur in etwa so funktioniert, wie iTunes das in der Musik tut, dann ist das ein guter Anfang (aber wenn das Laden von Content auf das iPad genauso umständlich funktioniert wie beim iPod, fange ich an zu heulen).
Es gibt immer einiges zu verbessern. Dass Apple mir vorenthält, meinen Rechner mit dem iPad, sei es via Bluetooth oder USB, zu verbinden ist eine Taktik, die ich bisweilen etwas anstrengend finde. Was soll das? Auch habe ich ein wenig Angst vor den Preisstrukturen des Mobilfunkanbieters, den Apple in Deutschland auswählt und natürlich ist so alles in allem noch einiges zu verbessern,
oder nachzureichen (USB-Anschluss, Speicherkarten-Slot, Kamera(!), etc.), aber so insgesamt handelt es sich beim iPad nun um den ersten ernstzunehmenden Versuch, ein brauchbares Device für Internet und eBook-Inhalte auf dem Markt und in der Gesellschaft zu etablieren.
Anders als beispielsweise Crunch Gear das sieht, ist das iPad für mich das Gerät, auf das ich all die Jahre gewartet habe und es macht mich wahnsinnig, dass Apple hierzulande und auch sonst auf der Welt, aus marketingtechnischen Gründen so lange taktiert und keine Klarheiten schafft, wann und wie das Gerät auf dem Markt zu haben sein wird. Ich habe schon Schlafsack-vor-Ladengeschäft-Phantasien. Ich will das iPad haben. Ich werde in Zukunft sogar nur noch auf der Frühlingswiese oder im Wald ins Internet gehen oder abends in der Kneipe. Ich werde sogar extra und ungewöhnlicherweise öffentliche Verkehrsmittel nur zum Zwecke der iPad-Nutzung nutzen. Ich werde mir Bücher kaufen, die ich eigentlich gar nicht lesen wollte (von den Bücher mal ganz abgesehen, die ich lesen will), nur damit ich sie auf dem iPad mit hellaufgerissener Hintergrundbeleuchtung und 36pt Schriftgröße lesen kann. Die Buddenbrooks werde ich lesen, in lateinischer Sprache, Finnegangs Werke im Original werde ich lesen (und natürlich auch verstehen, dank iPad). Sämtliche Zeitungen aus allen Herren Stadtteilen werde ich abonnieren, ich werde es kaum erwarten können, wenn der nächste Tag angebrochen ist. Einfach nur so.
Die Vorstellung, dass ich nächstens dann ganz ohne glühendem und rauschendem 2,5 Kilogramm schwerem Macbook Pro im Bette und auf der Couch all das machen kann, was ich außerhalb meiner Arbeit und abseits gewissen nichtöffentlichen Freizeitgestaltungen so mache, erzeugt einen Hyperdings an Vorfreude, das ich kaum verhehlen kann.
In kommenden Beiträgen hier, also wenn ich das iPad dann bereits verwende, werde ich Enttäuschungen oder multiplizierten Enthusiasmus gleichsam kundtun. Man soll aber nicht erwarten, dass ich mit kleinkrämerischer Fitzelsuche nach Fehlern und Unkorrektheiten an die Sache rangehe. Gleichwie beim iPhone bin ich ein eher hedonistischer Nutzer solcher Devices und empfinde zum Beispiel die große Anzahl an absurden und unabsurden Apps als großen Zugewinn für das Leben.
Ich werde allerdings jetzt schon einen Meckerbeitrag verfassen, was die Abwesenheit einer Kamera im iPad betrifft. Darauf können Sie und Steve Jobs sich schon mal gefasst machen. Das wird Wellen schlagen. In Cupertino fangen sie sicher jetzt schon an zu heulen.
Bis dahin zapple ich aufgeregt auf meine Stühlchen herum und werde jeden morgen um 5 Uhr das Internet aufmachen mit der Frage: Ist ES schon da?!




{ 5 Kommentare… Lies sie oder kommentiere selbst! }
Ich tippe jetzt schon wie ein Hammel auf meinem Monitor herum und IHR seid schuld.
Hallo!
Hab mich köstlich über den Hückchen Beitrag amüsiert. Das Lechzen nach dem neuen Gadget ist formidabel dargestellt worden.
Ich wünsche Euch außerdem viel Erfolg mit dem Magazin!
So genug geschleimt für ein T-Shirt, welches ich erst mühsam auf meine Größe runter shrinken muss!
Gruß,
Mario
oh, ich weiß schon jetzt, was mich da erwartet: nächte- und tagelanges pimpen des ipad (bis das wieder alles eingerichtet ist und hübsch genug aussieht.) inkl. absoluter geistiger abwesenheit und ansprechbarkeit (alles schon gehabt beim iphone).
na ja, wenigstens würde mich dann wenigstens ein launig-orangenes t-shirt erfreuen =)
ich finds schön das ich immer genau rkenne welche sachen von euch sind und das sijlroyal magazin lieb ich. finds nur doof das ich das nicht in darmstadt im apple shop bekomme.und das ich auf eurer seite dafür zahlen muss. what ever da an meiner wand schon lange ein stijlroyal tshirt als poster hängt, finde ich das ich es am meisten verdient habe.weiter so jungs!
@missesNein: Vielen Dank für die netten Worte!
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