Die Verlage reiben sich die Hände…

von Dirk Baranek am 31. Januar 2010 · 0 Kommentare

Ein etwas reißerisch getitelter Artikel auf dem US-Techblog Mashable – Apple vs. Amazon: The Great Ebook War Has Already Begun – bietet Anlass, sich einmal das Vertriebsmodell der Verlage anzuschauen. In dem Artikel wird über eine Recherche der New York Times berichtet, nach der die Produkte des relativ großen US-Verlages Macmillan nicht mehr bei Amazon zu finden sind.

Hintergrund, so die Recherchen von NYT, seien Streitigkeiten zwischen Verlag und Online-Vertrieb über die Vertriebsmargen. Meint: Wie teilen sich Amazon und Macmillan die Erlöse auf, die sie durch einen Buchverkauf einnehmen? Bisher, so die NYT, hatte Amazon in etwa das gleiche Preismodell bei E-Books wie bei den Hardcover-Bänden durchgesetzt. Verlag und Vertreib teilen sich demnach den Erlös je zur Hälfte.

Offenbar bietet aber Apple jetzt den Verlagen die gleichen Konditionen wie in seinem App-Store auf iTunes. Dort verlangt Apple einen Anteil von 30 Prozent, während 70 Prozent den Anbietern der Inhalte ausgezahlt werden.

Macmillan soll nun gegenüber Amazon auf diesen Konditionen bestanden haben, was Amazon veranlasst hat, das gesamte Verlagsprogramm aus dem Verkauf zu nehmen, so die Vermutungen der Blogger. Amazon lasse jetzt die Muskeln spielen, offenbar aus Angst, dass das selbst entwickelte Kindle ins Hintertreffen gerät. Zur Erinnerung: das Kindle kann nur Bücher lesen, das iPad noch wesentlich mehr.

Die Verleger reiben sich die Hände…

Wenn das iPad wirklich ein erfolgreicher Vertriebskanal für Bücher wird, dann ist diese prozentuale Aufteilung der Verkaufserlöse ein Riesengeschäft für die Verlage. Grund: Normalerweise können die Verlage weit weniger als diese 70 Prozent erlösen. Etwa 45 bis 50 Prozent – mehr bleibt einem Verlag nicht im Durchschnitt von dem im Laden aufgerufenen Verkaufspreis. Der ganz große Rest bleibt im Vertrieb hängen, bei den Buch- und Zwischenhändlern.

Wobei es enen entscheidenden Unterschied zwischen dem us-amerkanischen und dem deutschen Buchmarkt gibt: die Buchpreisbindung. Bedeutet: In den USA müssen die Verlage heftig um die Erlöse kämpfen, weil der Druck des Vertriebs enorm ist. Jeder Laden will im Grunde mit Preisvorteilen die Kunden locken. Das ist in Deutschland natürlich anders. Das Buch kostet überall das gleche – ob in gedruckter oder digitaler Form.

An dieser Stelle werden die Verlage sich aber bewegen müssen. Dem Leser wird es schwer zu vermitteln sein, dass das gleiche Buch in verschiedenen Medien mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen das gleiche kosten soll. Ein Beispiel: ein gedrucktes Bch kann, zumindest theoretisch, gebraucht verkauft werden. Der Käufer könnte sich also einen Teil des Preises wieder reinholen. Diese Möglichkeit ist beim iPad ganz und gar ausgeschlossen. Außerdem werden sich die Kunden fragen, warum der Verlag, der ja ohne Kosten für Papier und Druckerei eine Menge Geld spart, diesen Kostenvorteil nicht weitergibt. Das ist ja im Musikmarkt auch üblich.

Da ist also noch viel Luft in der Diskussion und Platz für neue Produkte. Denn um die Buchpreisbindung zum umgehen, könnten die Verlage einfach “iPad-Ausgaben” produzieren, die formal anders ausehen, aber letzlich das gleiche bieten wie die Hardcover-Bände.

[Update] Gerade gesehen, dass sich Basic Thinking Blog mit dem gleichen Thema beschäftigt und zu ähnlichen Ergebnissen kommt ..

Abgelegt in: iBooks

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